Sonntag, 16. Juli 2023

Von der Heimat zu den Honigbergen, nach Ungarn und zurück

 Auf zum Balkan! Alte und neue Freunde  besuchen und den Landstrich kennenlernen

Donnerstag, 15.06.2023
Gegen 17:30 machten wir uns zur etwas späteren Stunde auf die Socken Es ging zum Campingplatz Mondsee Punzau 21 nach Österreich. 
Irgendwie roch es bei Ankunft schon nach Urlaub. Frisch gemähter Grasduft gemischt mit Rinderdung wehte uns um die Nase.
Der Campingplatz ist nicht weit weg von Almwiesen und daher auch bestens geeignet für Wandertouren. Es gibt auch ein Restaurant und ein Swimmingpool  direkt auf dem Platz 
Allerdings hatten wir genügend Vorräte eingepackt, so dass wir unter freiem Himmel am Stellplatz zu Abend aßen. 



Freitag, 16.06.2023
Nachdem wir relativ früh wach wurden waren wir auch schnell fahrbereit. 

Wir beschlossen, in Mondsee icm Cafe Frank Berger zu frühstücken. 

Wir bekamen ein gutes, sättigendes Frühstück und feines Gebäck. Wer einen wirklich großen Kaffee trinken möchte, sollte besser Wiener Melage bestellen. Den Capu fanden wir ein wenig klein.

 

Zufällig konnte ich noch einen kleinen Blick in die Backstube erhaschen. In diesem Betrieb wird tatsächlich noch Einiges selbst hergestellt. Da kommen wir gerne mal wieder vorbei. 

Gut gestärkt fuhren wir unsere zweite Etappe. Wir fuhren durch Österreich und sogar durch einen großen Teil von Slowenien. Dieses Land sollten wir auch mal auf unsere Wunschliste setzten. Verträumt, viel Grün und hügelig. Und vor allem eins: Fahrbar!

 Auf einemal waren wir in Ungarn. Szervusz! Szia! Da sind wir wieder! Die Straßen waren besser, als wir erwartet hatten. Die richtige Adresse zu unserem Ziel hatten wir auf Anhieb gefunden. Wir standen vor einem ungarischen Bauernhaus mit einer auf den ersten Blick großen, langgezogenen Wiese.


Little Diamond Ranch, Markus und Pia Aman, so sollte die Adresse heissen. Doch waren sie denn nur? Die Beiden? Ich versuchte, Pia über Facebookmessenager anzurufen. Denn über Privat- und Bauernhofcamping  hatte sie mich auf mein Nachfragen angeschrieben, dass sie auf ihrer Ranch in Ungarn  ein Plätzchen für uns frei hätte. Mit Strom, Trinkwasser, Bad- und Toilettennutzung und der Möglichkeit unser Geschirr zu waschen. 

Tja, und jeettzt... standen wir da.... und keiner öffnete uns. Nur die Hunde antworten mir auf mein aufdringliches Klingeln. Plötzlich stoppte ein Auto, das auch dann in die Hofeinfahrt fuhr. Wir gingen auf die Beiden zu. Gottseidank hatten wir gewartet. Wir hatten uns schon fast einen anderen Campingplatz ausgesucht. Es war wohl ein Missverständnis vorgelegen. Pia und Markus hätten uns wohl einen Tag später erst erwartet.

Aber alles klärte sich auf. Sie sind beide Deutsche, so wie wir auch. Pia zeigte uns ihre Tiere. Ein Hunderudel, fünf Stück an der Zahl, kam uns neugierig bellend entgegen. Die Gänse teilten sich mit der anderen Hunderasselbande einen Platz in der Nachbarschaft.

Zwei Shettys und zwei hübsche Reitpferde chillten im Padock.


 Die Hühner scharrten im Sand. Sie legen pro Tag ca. 20 Eier.

Desweiteren gibt es eine Feuerstelle und eine urige Grillhütte. Lange, gesellige Abende sind garantiert.


 

Wir beschlossen abends gemeinsam zu grillen. 

 

Samstag, 17.06.2023
Heute war eigentlich der Tag, an dem Pia und Markus mit uns gerechnet hatten. Dafür wurden wir mit einem richtig tollen Frühstück überrascht. Wir bekamen für unseren Kaffee auch frische Ziegenmilch vom Nachbarn. Sie schmeckt vollmundig, leicht salzig und ganz anders, als die Tetrapackmilch. 
 
Danach ging es mit dem Auto nach Kaposvar. Eine typische, ungarische Stadt, ohne viel Klimbim. Ich staunte über eine große Zuckerfabrik und über das ebenso große Fußballstadion. Die Ungarn sind übrigens fussballfanatisch. Auf dem Weg zum Parkplatz fiel mir eine riesige Schlachterei auf. Sie erstreckte sich über zwei nur von der Straße getrenne Areale. Also, viel größer, als die Deutschlands größte Schlachterrei, die für übrigens einige Skandale bekannt ist. Allerdings gab es die wohl in Kaposvar in diesem Betrieb ebenfalls. 
Wir statteten dem Markt einen Besuch ab. Dabei bekamen wir schon mal einen kleinen Vorgeschmack an einheimischen Produkten die in Deutschland als populäres Souvenier gelten.
Zurück ging es über eine mit Rosen bepflanzte Parkanlage. 
 

Auch an die Kleinen hat man hier gedacht und einen bewachten Spielplatz gebaut.

Nachmittags durfte ich auf eins der Pferde von Pia reiten. Es hat mir riesigen Spaß gemacht. Pferde und Reiten ist so gut wie jeder Traum aller Mädels. So durfte ich auch als Teenager reiten lernen. So besonders gut war ich nie. Ich kann nicht genau sagen, woran es lag. Vielleicht auch an so manch untalentierten Reitlerer/innen.
Aber Pia ist ein sehr, sehr aufmerksamer Mensch und kann wunderbar erklären. Sie hat nicht nur das Pferd, sondern auch mich genau beobachtet. Wie ich sitze, ob ich richtig in den Bügeln stehe und wie ich mit den Hilfen für das Pferd umgehe. Auch die hübsche, ruhige  Stute Semira  war sehr sensibel. Sie ließ es mich spüren, wenn ich die Befehle falsch lenkte. Sie reagierte nur, wenn ich es richtig machte. 
Beim Reiten wurde mir wieder der krasse Unterschied zwischen dem sog. Privat- und Schulpferd bewusst. Pias Pferde haben ihren eigenen Willen. Man muss ihnen zeigen, wer der Boss ist. Aber auf zielgerichtete, selbstbewusste, sanfte Weise. Es ist bedauerlich, dass die meisten Schulpferde gebrochen und abgestumpft sind. Denn richtig reiten lernen, sieht meiner Meinung nach anders aus. Da muss man nicht gleich an der Loge mit bisschen Schritt dann gleich in den Trab fallen.
 

 
Nach dem Absatteln bekam das Pferd noch eine ausführliche  Massage von Pia. So etwas habe ich glaube ich nie in meiner Reitstallzeit gesehen. Dem Pferd hat es sichtlich gut getan. Es war schön der Stute dabei zuzusehen.
 
Sonntag, 18.06.2023
Heute fuhren wir mit Markus in die Weinberge. Zunächst ging es noch recht flott über gut geteerte Straßen. Das letzte Stück führte über eine Schotterpiste durch eine Schlucht zu unserem Ziel.
 

 
Natur pur!


Mitten im Grünen wurden wir von Pias Tante schon erwartet. Ihr Onkel zeigte uns zwei komplett eingerichtete, typisch ungarische Bauernhäuser. 





Im angrenzenden Wiesengrundstück kann man ganz autark mit dem Wohnmobil stehen. Wichtig ist dabei jedoch, sich komplett mit Vorräten einzudecken.
 
 

Nach dem Spaziergang bekamen wir noch eine Weinprobe. 

 

Montag, 19.06.2023

Wir frühstückten noch alle zusammen mit zwei Freundinnen von Pia. Dabei hatten wir noch viel Zeit zum quatschen. So erfuhren wir beispielsweise, dass es in Ungarn immer noch einen sog. "Brenntag" gibt. Dieser findet in den Dörfern an unterschiedlichen Tagen statt. So dass es im Prinzip jedes mal an einem anderen Tag in einem anderen Dorf "verbrannt riecht. Und jeder Haushalt hat auch eine sog. Brennstelle, die auch als Lagerfeuerstelle verwendet wird. Verbrannt wird dabei alles Mögliche, die abgeernteten Felder sind an diesem Tag übrigens miteingeschlossen.

Die Ungarn feiern gerne und ausführlich. Man sollte jedoch ein paar Dinge dabei beachten, wenn man eingeladen ist. Egal, um welche Party es sich handelt und wie viel Gastgeber es auf einer Party gibt. Man bringt für jeden Gastgeber ein Geschenk mit. 

Auf der Fahrt kauften wir noch bei LIDL in Dombosvar Proviant. Dann ging es auf gut ausgebauten, tadellosen Nebenstraßen mit anschließender Autobahn durch das noch in dieser Ecke sehr ursprüngliche Ungarn. 
Die Doppelgrenze Ungarn-Rumänien passierten wir ohne viel Wartezeit. Doch halt! Da war doch noch was! Die Rumänische Vignette. Die grünen Container auf der rumänischen Seite sahen aus wie Offices. Laut Internet sollte man da die Vignette kaufen können. Das stimmt im Prinzip schon. Allerdings waren die Rumänen da noch nicht so weit. Wir wollten aber kein Risiko eingehen. Wir schauten uns gründlich um und fuhren vorsichtig weiter. Ich hielt nochmal am Seitenstreifen an. Das könnte es sein... Ralf starkste durch einen schon sehr bewachsenen, fast ausgetrockneten Wassergraben. Er kam dann auch mit Lei und dem Papierchen zurück. Etwas weiter noch, gegenüber der Autobahn wurde er fündig. 
 
 
Auf einer frisch ausgebauten, leeren Autobahn fuhren wir nach Oradea zum Campingplatz Robinson Country Club. Wahnsinn! Hatte sich das alles verändert. Brav, wie wir Deutsche halt sind, parkten wir den Indi draußen auf dem vorgesehenem Parkaplatz. Wir wollten gerade den Berg nach unten gehen... Auf einmal hörten wir eine Stimme hinter uns. Nein, nach oben. Adam hatte uns wohl schon längst gesehen. Er zeigte uns erstmal den neu ausgebauten Campingplatz. Der Welcomedrink (ein Gläschen Schnaps) war obligatorisch.
 

 





 

Wir machten es uns auf dem Campingplatz erstmal bequem. 


Nachher quatschten wir noch mit unseren Campingnachbarn und beobachteten am Abend den Sonnenuntergang mit Fledermausflug.



Dienstag, 20.06.2023
Oradea hat übrigens eine nette Innenstadt mit Fußgängerzone. Die haben wir uns noch angesehen.
 

 

 



Staatstheater 

Mit dem Fahrrad haben wir dann doch etwas mehr Kilometer zurückgelegt, als zu Fuß. Deswegen konnten wir uns auch noch die Burg anschauen.










Dann sind wir noch am Crisul Repede entlanggefahren.
Dabei sind uns die beiden Moosmenschen begegnet. 




Synagoge (vom Fluss aus)



Uhrenturm
 
Mittwoch, 21.06.2023
Weiter ging die Reise durch Rumänien. Wir wollten ja eigentlich nach Bran. Nachdem aber google uns mitteilte, man würde für 383 km fünf Stunden benötigen, teilten wir das Ganze durch zwei. Camping Timulazu eignete sich wohl ganz gut dazu. Auf sehr gut ausgebauten, gut gepflegten Straßen erreichten wir Prima Vera. Wir entschieden uns gegen die Wegbeschreibung, die wir auf der Homepage des Campingplatzes fanden und vertrauten den Navis. Vertrauensvoll folgten wir google. Auf einmal waren wir auf der Piste. Kein Wunder, es hieß ja vorher schon, Maximal 10 km/h. Die offizielle Straße 126 wurde immer enger und steiniger. Schlagloch reihte sich um Schlagloch. Ich kam mir vor, wie eine Anfängerin im Offroadfahren.
 Schnellkurs leicht gemacht: Die Schlaglöcher sind in der Überzahl - Ausweichen hatte keinen Zweck. Der Indi schaffte es meisterhaft. 
 Auf Anhieb erreichten wir unser Ziel. 
 
 
 
Uns kam ein junger Mann entgegen. Ist das hier Timulazucamping? fragtem wir. Er nickte. Über Telefon bekamen wir von einer Holländerin auf Englisch noch ein paar praktische Hinweise. 
 
 
Spülbereich

 
große Scheune mit Ess- und Kochbereich

 
voll eingerichtete Miethütten

komplett eingerichtete Ferienwohnung

 
Spielplatz

Wir kommen dann morgen, sagte sie. Welch ein traumhaftes Plätzchen, mitten im Nirgendwo. Ruhiger kann man es nirgends haben. 
 
Jugendliche mit Imponiergehabe fuhren mit einem PS im flotten Galopp an der vorbeiführenden Piste vor dem Camingplatz vorbei. 
Am Abend bekamen wir dann Zaungäste. Neugierige Kinderaugen mit schwarzen Locken fragten uns nach meinem Namen und baten mich um Schokolade. Leider hatte ich nur einheimisches Gebäck zur Hand. Sie bedankten sich. Wenig später kamen sie mit einem älteren Kind zurück. Evtl. war es die älteste Schwester oder die "Cheffin?" der Kinderclique. Keine Ahnung. Auf jeden Fall fragte sie mich ebenfals. Das Spielchen begann von neuem. Bei einer Reise nach Rumänien kann ich nur allen Deutschen empfehlen, packt deutsche Schokolade ein. Am besten etwas, was man gut teilen kann. Die Kinder werden es Euch danken.
 
 
Donnerstag, 22.06.2023
Also, dieser Campingplatz ist ja wunderbar zum Chillen, liegt jedoch für weitere Unternehmungen für uns etwas zu abseits. Tja, und irgendwie wars tierisch heiß. Da wäre doch ein Gewitter ganz angenehm, dachten wir uns noch... 
Wie dem auch sei. Wir fuhren erstmal einkaufen um unsere Vorräte aufzufüllen. Schloß Bran wollten wir auch noch anschauen. Wir fuhren auf kurvigen Straßen links und rechts von uns wolkenverhangene, grüne Hügel entlang.
 Plötzlich ein lauter Knall! Ein weißer Blitz, mitten im Kartoffelfeld. Es knallte! Den Schall konnte ich noch an der Beifahrertüre spüren. Welch ein Empfang! Vlad Tepes muss unseren leisen Wunsch wohl gehört haben. o) Sehr ambientig, Herr Graf!


 







Nach dem einstündigen Besuch des Draculaschloßes fuhren wir weiter zum Campingplatz Honigberg (Harman). Wie schon so oft erlebt, jagte uns der Navi im Kreis rum. Auf einmal standen wir vor einem schmiedesernen, rostfarbenem Tor mit Camperpiktogramm. Pfarramt Honigberg. Für camping bitte anrufen, stand auf einem kleinen Schild. Check! Machten wir. Ca. 15 Minuten später kam ein junger Mann, der uns den Pfarrgarten, die sanitären Anlagen und das Pfarrhaus zeigte. Eigentlich wollten wir gleich zahlen. Nein, nein, später, bei der Abreise, Und nicht hier, im Pfarrbüro, das ist verboten, sagte er. 

Freitag, 23.06.2023
Zum Glück hatte es auf Grund des gestrigen Gewitters etwas abgekühlt. Nach dem Frühstück besuchten wir ohne weitere Anstrengungen die berühmte Kirchenburg von Honigberg. Eine interessante, evangelische Kirche mit dicken Mauern ringsum.
 In dieser lebten die Honigberger Sachsen um sich vor Feinden im Krieg zu schützen.  




Der Besuch ist ein Muß! Vor allem erfährt man sehr viel über die Kultur und Lebensweise der damaligen Bewohner. 



Besonders erwähnenswert ist auch das Mittelschiff der Kirche. Die Frauen saßen beim Gottesdienst früher auf grob behandelten Fichtenholzstämmen. Die für uns ungewöhnlichen Bänke sollten die Kleidung soweie Haar- und Kopfschmuck der Frauen schützen. 

Sehr beeindruckt hat mich der mit Malereien verzierte Kapellenturm aus dem 15. Jahrhundert. 


 

Samstag, 24.06.2023
Lasst uns Brasov besichtigen! So langsam haben wir ja Übung im Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln im Ausland. Mit dem Bus fuhren wir in die City. Ich muss wirklich sagen, dass ich sehr dankbar bin für die selbstlose, sehr aufmerksame Unterstützung der Einheimischen. Ein Mann hatte an der Bushaltestelle gemerkt, dass wir uns mit den Fahrkarten gar nicht auskannten. Von sich aus hat er uns das Prozedere erklärt. 
Man kauft am besten eine Fahrkarte für zwei Personen. Diese wird gestempelt und gilt eine Stunde, egal wo man hinfährt und wie oft man umsteigt. Allerdings aufpassen, mit dem Zeitlimit. Teilweise wartet man an der Bushaltestelle etwas länger, vor allem wenn man Tourist ist und sich nicht so gut auskennt. 
Erhältlich sind die Fahrkarten an großen Bushaltestellen oder beim Fahrer im Bus. 
 
Grünes Ticket, am Schalter für 8 Lei, rotes Ticket direkt beim Busfahrer für 10 Lei

 Der öffentliche Nahverkehr für uns Touristen nicht immer durchschaubar aber preiswert. 
Wir schlenderten durch die Innenstadt. 

Rathaus von Brasov


die berühmte Schwarze Kirche

Weisser Turm (einer, von zwei Beschützertürmen)

In Brasov gibt es den Weissen und den Schwarzen Turm. Im 15. Jahrhundert dienten sie zur Befestigung der Stadt. Heute kann man Beide besichtigen. Zwischen den Türmen gibt es auch einen Wanderweg über die bewaldeten Hügel der Stadt. 

Sonntag, 25.06.2023
Aufbruch! Unser nächstes Ziel war Targu Mures. Wir machten einen Zwischenstop in Sigisoara, der Geburtstadt von Vlad Tepes. Im ersten Rumänienurlaub hatten wir uns die Stadt mit seiner Kirchenburg schon angeschaut. Nun nutzen wir die Gelegenheit um bei Lidl noch etwas einzukaufen. Nun ja und Frau muss halt mal und mal öfters als die Mannsbilder. o) So ein Glück, dass Lidl auch eine Toilette hatte. Das kennt man bei uns in Deutschland nicht. 
Das Wetter zeigte sich momentan nicht von seiner besten Seite. Für zwei Tage war starker Regen angesagt. Wir flüchteten zur Pensiona Christina. Dieses kleine Übernachtungshaus haben wir über google gefunden und empfehlen wir gerne weiter. Es ist alles da, was man für eine kurze Übernachtung benötigt. Es wird sehr sauber gereinigt und das Housekeepingpersonal achtet sehr auf die Hygiene. Es wird akribisch geputzt. Wir wurden auch gefragt, ob wir eine Zwischenreinigung wollten. In Deutschland passiert das meist automatisch. Aber wir haben dankend abgelehnt, da wir ja eh nur zwei Nächte geblieben sind.
Die Cocktailbar haben wir ebenfalls über google gefunden. Sie heisst Gradina de Vora und man kann dort richtig lecker essen.  Dort wurden wir zufällig Zeugen zweier interessanter Begebenheiten: 
Eine junge Dame stand suchend auf ihr smartphone blickend am Eingang des Restaurants. Hmm... hatte sie ein Date mit jemandem? Gegenüber von unserem Tisch saß eine Gruppe Männer und Frauen unterschiedlichen Alters gut gekleidet. Einige hatten Kinder dabei. Ein Aufschrei! Auf einmal blickten wir in das fast fassungslos überraschte Gesicht einer jungen Dame. Völlig verdattert blickte sie auf den nun einsetztenden Gesang Ihrer Familie mit Happy Birthday. Da ist wohl jemand zum 18. Geburtstag gelungen überrascht worden.
Etwas später kam ein kleiner etwa sechsjähriger Junge zum Betteln ins Restaurant. Meist wurde er von den Gästen abgewiesen. Kurze Zeit später kam eine Bedienung auf den Jungen zu und gab ihm ein Essenspaket. Der Junge schaute die verknotete Plastiktüte von allen Seiten an und drehte sie. Lächelnd verschwand er. Einen Tag später beim Besuch der Synagoge haben wir erfahren, dass die Kinderarmut in Rumänien ein großes Problem ist. Bis jetzt sind wir nur in Targu Mures angebettelt wurden. Ich gehe momentan davon aus, dass es auch in Rumänien reichere und ärmere Städte/Gegenden gibt. Teilweise wird man eben öfters oder gar nicht angebettelt. 
 
Nachdem der größte Regen vorbei war, machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Schon von Weitem hörten wir Klänge einer Lifeband. Da fanden doch tatschächlich die Targumurescher Musikwochen statt. Im Reiseführer steht, dass dieses Festival im Sommer statt findet. Jedoch ist uns in der Stadt kein Plakat aufgefallen.  
 
Staatstheater Targu Mures

 
 

 
 

Montag, 26.06.2023
Nach einem typisch, rumänischen Frühstück ging es zum Sightseeing in die Stadt.





 

Einige, Gebäude beeindruckten uns ganz besonders:

ortodoxe Kirche

Synagoge von Innen


Ein Besuch der Zitadelle durfte natürlich auch nicht fehlen.



In der letzten Juniwoche findet dort auch das große Stadtfest statt. 


 
Dienstag, 27.06.2023
Nachdem wir ein zweites mal das gute rumänische Frühstück genossen hatten, fuhren wir weiter nach Cluj Napoca. Tja innerhalb von vier Jahren passiert ganz, ganz Viel. Das gilt auch für den Straßenbau in Rumänien. Google hatte da schon mehr Informationen für uns parat. So kamen wir in den Genuß eine frisch ausgebaute Schnellstraße zu fahren. Die Stadt selbst hatte sich innerhalb von vier Jahren ebenfalls mächtig verändert. Den Campingplatz Colina fanden wir aber auf Anhieb. Wow! Welch große Überraschung! Dieser Platz hatte sich gemausert.
 
Halle mit Bar und Holzverkleidung

 

kleinere Baar in der Halle mit Biervorräten für ein bevorstehendes Festival




Feuerstelle, inzwischen gepflastert, Bänke mit Lehne und neuen Sitzpolstern

Wir machten es uns bequem und stellten fest, dass ein sehr verwunschener Wanderweg direkt außerhalb des Campingplatzes ins hügelige Hinterland führt. Den Nachmittag verbrachten wir mit Chillen und selbst kochen.


Mittwoch, 28.06.2023
Heute machten wir Cluj unsicher. Zu Fuß erreichten wir die Stadtmitte. Einfach ein bißchen bummeln und die Seele baumeln lassen. Den Weg zurück fanden wir mit ein paar Umwegen. Am Ende wollten wir noch ein paar Sachen im großen Einkaufszentrum holen. Da ploppte doch bei mir die Erinnerung mit dem Foodtruck auf. Von dieser Geschichte hatte ich im ersten Rumänienurlaub berichtet. Leider habe ich meine Augen vergeblich mit der Suche angestrengt. Ich konnte diesen Foodtruck nicht mehr finden. Irgendwie sah alles ganz anders und völlig neu aus. Aber dafür war der gut ausgetrampelte, ausgespülte Weg (Abkürzung) über die Wiese noch gut erhalten. Den hatten wir noch wiedererkannt. 

Donnerstag, 29.06.2023
Unser letzter Tag in Rumänien. Ich ziehe hier ein kurzes Resumee unserer bisherigen Reise. Was soll ich sagen? Ich bin voller Eindrücke. Total glücklich, über viele tolle Gespräche mit den Einheimischen und mit anderen Reisenden. Auf jeden Fall jetzt schon gut erholt. Total aus dem Häuschen, über manche positive, überraschende, persönliche Erlebnisse. 
Vom Camping Colina haben wir uns mit den Worten: Wir kommen mal zu einem Lifeconcert zu Euch, verabschiedet. Diese finden übrigens meist am Wochenende statt. Nicht unbedingt nächstes Jahr, aber bestimmt in zwei Jahren! Ich bin mir sicher, die machen für uns alte Säcke auch gute Musik. 

Life on stage

So nun aber auf in den Indi und los! Auf der Fahrt sagte unser Magen gegen Mittag: Hunger! Wie das in Rumänien momentan noch so ist, gibt es immer noch sehr viele Landstraßen. Man ist gezwungen, diese zu nehmen. Deswegen findet man aber auch in vielen Dörfern die Foodtrucks. Man bekommt dort übrigens kleinere Gerichte wie z.B. Hamburger, Hotdog, Baumkuchen, Langos oder auch Döner Kebap. An solch einem haben wir angehalten. Zwei Mädels, die sogar ein bißchen Deutsch konnten haben uns was Feines zu essen gemacht. Normalerweise gibt man im Restaurant- und Gastrobereich in Rumänien, wie in manch anderen Ländern ca. zehn Prozent Trinkgeld zu geben. Die Mädels wollten gar keins von uns haben. Das hat mich schon sehr erstaunt. Deswegen kauften wir einfach noch eine Flasche Wasser. Eine saubere und ordentliche Toilette war übrigens auch vorhanden. Weiter gings in Richtung Ungarn. Für mich ist es immer wieder ein Erlebnis die Route 33 durch die Puszta zu fahren. Welch eine Weite. Irre wie wahnsinnig weit man in die Ferne schauen kann. Breddleseben. Für mich das Pendant zur legendären Route 66 in Amerika. Vorbei an Sonnenblumen- und abgeernteten Getreidefeldern durch das Toruristennest Hortobagy.Übrigens, Vorsicht! Fuß vom Gaspedal. Hier wird öfters scharf geschossen. Manchesmal kann man auch Graurinder mit ihren riesigen Höhrnern auf ausgedehnten Wiesen sehen.  Die beiden Ruten scheinen verwandt zu sein. Wir wollten noch ein paar Tage in Tiszafüred verbringen. Csilla Henrich und guten Bekannten einen Besuch abstatten. Als wir bei Dieters camping ankamen, war alles still. Wir hatten freie Platzwahl. Später unterhielten wir uns mit dem Lebensgefährten Heinz von Csilla. Er meinte, tja, Csilla musste mit den Preisen hochgehen. Viele Rentner haben weniger Geld, andere Dauercamper sind mittlerweile gestorben. Und der Rest, denke ich, dreht das Centstück dreimal um und fährt lieber ins noch billigere Rumänien. Leider!

Freitag, 30.06.2023
Heute standen noch ein paar Erledigungen in der Stadt an. Zusammen suchten wir mit Hilfe des campinglocks den Fahrradladen. Bei unserer zweiten Ungarnreise hatten wir in einem kleinen Fahrradladen mit einem sehr geschickten Monteur unsere Räder wieder auf Vordermann bringen lassen. Gott sei Dank gab es diesen Laden noch und seinen Monteur ebenfalls. 
 



Für zehn Euro samt Reparatur bekam Ralfs Radl einen neuen Schlauch. Danach suchten wir einen Draht. Beim Lattenrost meines Bettes im Stadtindianer war ein Stück Plastik, das den Lattenrost zusammenhält, abgebrochen. Magyar dict. ist schon eine feine Sache. Und die Ungarn sind nach wie vor sehr hilfsbereit. In einem Supermarkt erstanden wir für diesen Zweck eine Tüte Kabelbinder. Die Verkäuferin an der Kasse konnte ziemlich gut Deutsch. Sie verstand auch, wonach wir suchten, als wir ihr es erklärten. Ja, mit einem Kabelbinder könnte es gehen, sagte sie. Aber, wenn ihr doch noch einen Draht kaufen wollt, dann geht am besten zu Membran. Ihr müsst einfach an der Polizeistation links abbiegen, dann lauft ihr genau darauf zu. Dank dieser nützlichen Beschreibung haben wir den Laden sofort gefunden. Dieses Geschäft ist auf zwei Häuser verteilt. Der erste Laden auf der rechten Straßenseite hat alles fürs Bad. Der Shop auf der Linken hatte alle möglichen Rohrleitungen, Drähte in verschiedenen Durchmessern und Längen.Werkzeuge für Gas- Wasser und Elektroreparaturen habe ich auch entdeckt. 





Samstag, 01.07.2023
Unser erster Besuch galt heute am frühen Vormittag der Markt mit seiner Verkaufshalle im Städtchen. Ein paar Souveniers und ein bißchen Wegzehrung. Ich hoffe, es wird allen munden. Übrigens kann ich die kolbasz vom Mangaliza (Wollschwein) sehr empfehlen. Sie ist in Deutschlan sehr gut angekommen. 
Danach streiften wir über den Flohmarkt. Dieser findet einmal im Monat am Samstag statt. Was sich da nicht alles zu suchen und entdecken lohnte! Von A wie Angelzubehör bis Z wie Zangen war alles vorzufinden. Waffennarren und Antiquitätenfans kamen hier auf ihre Kosten. 
Was uns übrigens in Ungarn in dieser Zeit aufgefallen ist, dass bestimmte Lebensmitttel wie Mehl oder Zucker wieder rationiert wurden. Der Krieg in der Ukraine hat immer noch weltweite Auswirkungen.
 
Noch einmal echt ungarisch essen. Mit dem Rad fuhren wir zum an der Theiss gelegenen Fischrestaurant. auf dem Radweg begegneten uns zahlreie Jogger mit Trikot in hochroten Gesichtern. Fahrradbegleitung war auch dabei. Beim Fischrestaurant fiel uns dann der komplett überfüllte Parkplatz auf. Ich wunderte mich schon über die lange Schlange, die vor dem Restaurant stand. Nem asztal, nincs (kein Tisch, nichts) gab uns die Bedienung zu verstehen. Wir sollten uns doch in die Schlange einreihen. Entschlossen traten wir mit schon fast knurrendem Magen den Rückweg an. Bei Molnar Ètterem am Kreisverkehr in Tiszafüred haben wir auch gut gegessen. 
 
 
Sonntag, 02.07.2023
Der Tag unserer Heimfahrt war gekommen. Wir besuchten Csilla auf dem kleinen Markt, der ebenfalls regelmäßig fast gegenüber des Campingplatzes statt findet. Wir wollten uns noch von ihr verabschieden. 
Eine Parkaufsicht hatte den Stadtindianer ins Visier genommen und photographiert. Ich dachte, oh mein Gott, jetzt kriegen wir zm Abschluss noch ein Ticket wegen Falschparkens. Nem, nem, gab er uns gestikulierend zu verstehen. Er fand den Indi toll. Was, das habt Ihr alles da reingebracht? Aber sicher! Und die Räder auch. Wohlbehalten kamen wir am Abend um ca. 20:00 zu Hause an. 

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